Den Gefallenen der Friedenstraße zum Gedenken

 

11 junge Söhne und Töchter  aus 12 Häusern der Friedenstraße ließen im 2. Weltkrieg ihr Leben lassen. Kaum eine Familie hatte nicht den Verlust eines Ihrer Kinder zu beklagen.  Die Familien Grotegers, Helmes und Kathmann erhielten im Verlauf des Krieges gleich zweimal die schreckliche Todesnachricht.

Wir gedenken Ihrer und aller Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft.

Ihr Tod möge uns Mahnung sein für ein friedliches Miteinander der Völker einzusetzen und Tyrannen zu widersetzen.  Nie wieder darf ein Krieg von deutschem Boden ausgehen.

Im zweiten Weltkrieg fielen

Heinrich Baumann

Heinrich Baumann * 1912 † 1945

Heinrich Baumann fiel im letzten Kriegsjahr.

Heinz Grotegers

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Heinrich Grotegers * 18.03.1912  Dinklage † 24,04. 1944 Rumänien

Der junge Familienvater Heinz Grotegers war Unteroffizier einer Flak-Einheit, als er am 24.04. 1944 bei einem Fliegerangriff auf eine rumänische Stadt fiel. Er hinterließ seine Ehefrau Elisabeth, geb. Harbecke mit (mindestens) einem Kind. Ein Kind hatte das erst seit 4 Jahren verheiratete Ehepaar Grotegers bereits früh verloren. 3 Jahre zuvor war bereits sein Bruder Willy an der Ostfront gefallen.

Willy Grotegers

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Wilhelm Grotegers  * 2.10.1915 Dinklage † 15. 07. 1941 an der Ostfront

Der Obergefreite Willy Grotegers war das erste Kriegsopfer, das die Nachbarschaft der Friedenstraße zu beklagen hatte, als er am 15. 07. 1941 der Ostfront fiel.

Willy Detering

Wilhelm Detering  * 07.11.1913 † 10.11.1944 Putnok, Ungarn

Unteroffizier Willy Detering fand am 10.11.1944 in Putnok, Ungarn den Tod.

 Gustav Zilm

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Gustav Zilm *1914 † 07.01.1942 an der Ostfront

Der Obergefreite Gustav Zim fiel am 07.01.1942 an der Ostfront im Alter von 27 Jahren an der Ostfront.

Bernhard Helmes

 

Bernd Helmes * 04.08.1919 Dinklage † 19.04.1944 Lüneburg

Der Obergefreite Bernhard Helmes ließ am 19.04.1944 sein Leben als Flieger in Lüneburg.

Wilhelmine Helmes

(Schwester Rutula)

 

* 27.12. 1911 Dinklage  † 05.09.1942

Wilhelmine Helmes kam am 05.09.1942 bei einem Bombenangriff als Clemensschwester im St. Josefstift Bremen ums Leben.

Otto Kathmann

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Otto Kathmann *13.04.1918 Dinklage †13.02.1942 Russland

Der Obergefreite Otto Kathmann starb am 13.02.1942 in Russland.

Hermann Kathmann

Hermann Kathmann *1914 †1945

3 Jahre nach seinem Bruder Otto fiel auch Hermann Kathmann im Jahr 1945.

Caspar Kalvelage

Caspar Kalvelage *1916 †1942

Caspar Kalvelage fiel im Jahr 1942

Franz Bosse

 

 

 

Franz Bosse  * 11.12.1923 Dinklage  † 02.03,1944

Franz Bosse war Funker in einer Nachrichtenabteilung. Er fiel am 02.03,1944 südwestlich von Narva im Nordabschnitt der Ostfront. Er liegt gemeinsam mit über 2000 überwiegend deutschen, aber auch estnischen Soldaten und Soldaten aus anderen Nationen begraben auf dem Soldatenfriedhof in Toila in  Estland. Auf seinem Totenzettel heißt es: “ An der Seite des Batl.- Kommandeurs und des Adjudanten gab er sein junges hoffnungsvolles Leben in die Hände seines Schöpfers zurück.“

 

 

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Bildersammlung Walter Garvels

Vor einigen Jahren stellte mir Walter Garvels eine Sammlung seiner Bilder  und etliche Schülerlisten der ehemaligen Wulfenauer Schule zur Verfügung. Die Aufnahmen zeigen verschiedene Jahrgänge. Bei dem Lehrer auf den Bildern handelt es sich um Franz Thyen, der hier von 1955 bis 1968 unterrichtete. Eine Sortierung und Datierung der Bilder  muss noch erfolgen.  Hinweise zu den Personen nehmen wir gern entgegen.

 

Maria Rottstegge

(*1915 † 05.02.2006)

Rottstegge_Maria

Die Heimatdichterin Maria Rottstegge. geb. Börgerding , ein Kind der Friedenstraße, oder wie Sie sagen würde, des Bauvereins, begann 1960 Gedichte und Geschichten in Plattdeutscher Sprache zu verfassen. In Anerkennung Ihrer Verdienste um den Erhalt der plattdeutschen Sprache verlieh Ihr der Heimatbund Oldenburger Münsterland 1986 die „Goldene Blume des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Sie bereits seit über 10 Jahren Gedichte und Anekdoten in der Oldenburgischen Volkszeitung und im Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland veröffentlicht.  Mit große Freude trug Sie Ihre Gedichte auf allerlei Veranstaltungen verschiedener Vereine vor. Gern stieg Sie zur Karnevalszeit auch in die Bütt. Auch als im hohen Alter ihre Sehkraft schon arg nachgelassen hatte ließ sie es sich dies nicht nehmen und trug Ihre Werke aus dem Kopf vor.

 

 

 

Viele Ihrer Gedichte sind über die digitalen Sammlungen Der Uni Oldenburg abrufbar.

Gegenstand vieler Gedichte und Erzählungen haben Ihre Kindheit an der Friedenstraße und den Dinklager Bahnhof zum Gegenstand.

„Faoken seih ick’t Öllernhus

dat Band is nich räten

Kinnertied un Pingelbaohn

noch lange nich vergäten“

Dieses  Zitat aus ihrem Gedicht „Mien Öllernhus“ beschreibt wohl am treffendsten  eines Ihrer Grundmotive.  Mit „Dei ole Bauvereinsweg“ aus Ihrem Buch Äöwern langen Weg“ hat Maria Rottstegge vieles aus der Anfangszeit der Friedenstraße für die Nachwelt festgehalten, was sonst schon bald vergessen wäre. dafür gebührt Ihr Dank auch wenn sicher heute doch sehr romantisierend und verklärend wirkt.

 

 

 

 

Klocken Gerd

Als ein mittlerweile vergessenes „Dinklager Original“ kann man wohl auch Gerd Quatmann bezeichnen. Vermutlich aus Essen stammend, lebte er in Dinklage, wo er uch im Jahre 1914 verstarb. Besser bekannt war er als „Klocken Gerd“ oder auch „Pamtickel“ – der Bezeichnung für das Pendel einer Wanduhr. Vermutlich ohne den Beruf des Uhrmachers je erlernt zu haben verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Wanderuhrmacher mit der Reparatur alter Wanduhren. Kindern, die ihm gern bei der Arbeit zusahen erzählte er gern Geschichten von Wiedergängern und andere Schauergeschichten, an die er wohl auch selbst geglaubt hat. Wie sich denken läßt nahm seine Redseligkeit besonders unter Alkoholeinfluß zu. Er selbst aber war ziemlich ängstlich und in ging daher seinen letzten Lebnsjahren in den Abendstunden kaum mehr aus dem Hause. Seine eigene Ängstlichkeit soll so manchen Zeitgenossen dazu verleitet haben, ihm den ein oder anderen Streich zu spielen.
Quelle: G.Vagelpohl, Heimatkalender für das Oldenburger Münsterland 1953klocken_Gerd.jpg

Liste der Dinklager Persönlichkeiten

Dinklager Originale

Brückamp,Heinrich

Stuten Marie

Ippi

Kreuzmann, Augustin

Wittrock, Bernard (Bur)

Wulfers, Gerd (Ossen Gerd)

Quatmann, Gerd (Klocken Gerd)

Künstler

Romberg, Bernhard

Maekel, Josef

Middendorf, Helmut

 

Heimatforscher und – schriftsteller

Burwinkel, Dr. Hubert

Hürkamp, Josef

Ostendorf, Franz

Ostendorf, Johannes

Rottstegge, Maria

Politiker

 

Galen, Ferdinand, Graf von

Galen Franz, Graf von

Galen, Ferdinand, Graf von

Galen, Friedrich Matthias, Graf von

Mäckel, Julius

Mäkel, Franz

Wegmann, August

Familie von Galen

Galen, Clemens August, Graf von

Galen, Ferdinand, Graf von

Galen Franz, Graf von

Galen, Friedrich Matthias, Graf von

Galen, Maximilian Gereon, Graf von

Geistliche

Galen, Clemens August, Graf von

Galen, Maximilian Gereon, Graf von

Dr. Hubert Burwinkel

 

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Dr. Hubert Burwinkel

Hubert Burwinkel wurde am 10. Februar 1892 in Dinklage als drittes von 8 Kindern des Kötters Johannes Burwinkel und seiner Frau Mathilde geb. Aschern in Dinklage auf der Hörst geboren. Sein Vater kauft 1930 den größten Teil des Hofes Assmann in Schwege. Er geht hier zur Volks- und dann Realschule, besucht ab 1905 das Gymnasium Antonianum in Vechta. Er studiert ab 1911 in München und Münster Mathematik, Physik und Zoologie und Botanik. Macht 1915 das Staatsexamen und den Dr. rer. nat. Von 1915 bis Ende des Weltkrieges  ist er Soldat. Seine erste Stelle als Lehrer führt ihn nach Buer in Westfalen, ehe er er ab Ostern 1920 bis am Realgymnasium in Cloppenburg tätig ist. !957 wird er im Rang eines Oberstudienrats pensioniert. Er stirbt hier am 18. April 1980.

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Geburtshaus von Dr. Hubert Burwinkel auf der Hörst

Hubert Burwinkel, der auch Ehrenmitglied des Heimatbundes war, ist einer der bekanntesten südoldenburger Heimatdichter. Er verfasste zahlreiche Gedichte und Erzählungen in plattdeutscher Sprache und mit Bäwerborg sogar ein Drama, das zur Zeit des 30 jährigen Krieges spielt.

Ob als Liedervater des MGV Cloppenburg, Mitbegründer  und Vorsitzender des Cloppenburger Heimatvereins oder als Schauspieler in seiner Spälkoppel, Hubert Burwinkel war Zeit seines Lebens engagiert und heimatverbunden.

In Gedichten wie „Dei olle Borg“ beschäftigt er sich mit seiner Dinklager  Jugendzeit. Auch dem Dinklager Original  Ossen Gerd widmet er ein Gedicht.

Eine ausführliche Würdigung seiner Person  findet sich in dem Beitrag von Clemens Heitmann zum 125. Geburtstag im Utkiek Nr. 55,Herbst/Winter 2016

Werke

  • Wor Braom un Barken, Gedichte un Vertellsels ut dat Ollenborger Münsterland, 1991
  • Tüsken Wolken und Wind, 1973
  • Kumm Mariechen: Plattdütske Gedichte un Vertellstücke, 1957
  • Heimatbloumen un Spricker: Plattdütske Gedichte un Vertellstücke, 1957
  • Threse, Nao’ne wohre Begäbenheit ; een plattdütsk Vertellstück,
  • 1938Bäwerborg, Niederdeutsches Schauspiel in 4 Akten, 1929

„Oma, ist das hier das Ende der Welt ?“ –

Nachkriegszeit in Dinklage – Teil 1

Flucht und Vertreibung

abtransport

Abtransport von Flüchtlingen aus heute polnischem Gebiet

 

„Oma, ist das hier das Ende der Welt ?“ fragte das fünfjährige Mädchen bei ihrer Ankunft in Dinklage angesichts des Prellbocks am Ende des Gleises.  Es war am 22. Februar 1945 als Klaus-Peter Quill mit seiner Schwester und seiner Oma in Dinklage eintraf. Sie hatten ihre niederschlesische Heimat wegen des unaufhaltsamen Vorrückens der Sowjetarmee verlassen müssen.  Nun sollte Dinklage bis zum Jahr 1953 seine neue  Heimat werden. In diesem Jahr verließ er Dinklage wieder, um in Frankfurt eine Lehrstelle anzutreten. Im damals noch schwach strukturierten Südoldenburg ließ sich sein Berufswunsch nicht verwirklichen.

 

 

Mit den 2 Zimmern im Bahnhofsgebäude, die Ihnen nach nach 14 Tagen der Unterbringung  bei einer Verwandten, die bereits in Dinklage lebte, hatte es die Familie noch gut getroffen.  Andere kamen in Baracken und notdürftig hergerichteten Schweineställen unter. Der aus Schlesien nach Dinklage vertriebene Rudolf Jenschke berichtet  von oft nicht mehr als 4m², die einer Person zur Verfügung standen.

 

 

Während die Ernährung der großen Masse an Flüchtlingen im kaum zerstörten, landwirtschaftlich geprägten Südoldenburg das geringere Problem darstellte, fehlte es massiv an Wohnraum. Im Jahr 1950, das in etwa den Höhepunkt der Flüchtlingswelle markierte, betrug der Anteil der Flüchtlinge an den damals 7655 Einwohnern mit 1796 Personen knapp 24% . Ein weiteres Problem war die Gesundheitsfürsorge. Zwar hatte Dinklage ein Krankenhaus, doch dieses war überfüllt von an Diphtherie erkrankten Kindern.

Wie groß die Notlage der Flüchtlinge  war zeigt das Beispiel aus dem Raum Göttingen:

„Von den Schulkindern waren 40% Flüchtlingskinder, 31% ohne Winterschuhe, 9% trugen ausgeliehene, 12% mussten einen Wohnraum mit mehr als 3 Personen teilen, 6% hatten kein eigenes Bett, 13% waren Halbwaisen“

Im Vergleich hierzu erscheint das  nicht enden wollende Gejammer über den heutigen Flüchtlingszuzug geradezu lächerlich, zumal der Kreis Vechta heute über Vollbeschäftigung verfügt. Das sah 1953 noch ganz anders aus.

So heißt es in  „Oldenburg schaffendes Land“, 1953:

“ Art und Größe der Industrie reichten nicht, die vielen Vertriebenen, Evakuierten und Zugewanderten in den Arbeitsprozess einzugliedern. Die Zahl der Dauerarbeitslosen beträgt bei einer Arbeitnehmerschaft von 18000 im Durchschnitt 4000. Davon sind 80% Vertriebene“

Die Probleme vorausahnend mahnte Bischof Clemens August Graf von Galen bereits am 15. August 1945 in einem Hirtenbrief:

“ Die Stunde der Caritas ist da… Alles was die Caritas bisher geleistet hat, erscheint uns jetzt fast nur als eine Vorübung für die gegenwärtige Zeit, in der die Not ins Riesengroße gewachsen ist. Jetzt muss es sich zeigen, ob wir unsere Sendung erkennen …. “

und appelliert  weiter, den Heimatlosen Tür und Herz zu öffnen. Es sei:

“ Ein tiefer Eingriff in die eigenen Bestände notwendig“

Die Menschen jener Zeit haben es geschafft, sind näher zusammengerückt nicht ohne Konflikte und Schwierigkeiten, auf die im 2. Teil noch einzugehen sein wird, aber Sie haben es schließlich geschafft. Dafür gebührt ihnen unser Respekt.

 

Die für diesen Beitrag benutzten Quellen  sind unter anderen:

  • Dinklage 1231- 1981
  • Dinklage im Wandel der Zeit
  • Rudolf Jenschke in Utkiek Nr. 44
  • Klaus-Peter Quill in  Die Museumseisenbahn 2 – 2004
  • Eckermann, Kuropka (Hrsg) Neubeginn 1945
  • Michael Hirschfeld, Katholisches Milieu und Vertriebene
  • Michael Hirschfeld, Markus Trautmann (Hrsg) Gelebter Glaube Hoffen auf Heimat
  • Oldenburg schaffendes Land
  • Fürchte Dich nicht Kleine Herde 150 Jahre Ev. luth. Kirchengemeinde Wulfenau
  • Oldenburg schaffendes Land
  • Dinklager Kord und Lohne Schürzen

 

Die weiße Frau von Hopen

Die Sage von der weißen Frau nach Ludwig Strackerjan:

HopenAuf dem alten Schlosse Hopen bei Lohne befand sich bislang ein Ahnensaal mit den Bildern früherer Besitzer oder deren Abkömmlinge, darunter das Bildnis einer Nonne in der Tracht der Zisterzienserinnen. Eines Abends erhält der Bewohner des Schlosses Besuch von einem Amtmann von Schüttorf.  Dieser bleibt die Nacht über im Schlosse. Mitten in der Nacht öffnet sich plötzlich die Türe seines Schlafzimmers, eine Nonne in weißem Habit tritt herein, kommt an das Bett des Fremden, beugt sich über ihn und ist gleich darauf verschwunden. Am anderen Morgen führt der Schlossbewohner seinen Gast durch das Haus und zeigt ihm auch den Ahnensaal. Als der Amtmann das Bild der Nonne erblickt, erstaunt er, tritt einen Schritt zurück und sagt: Diese ist mir in der Nacht erschienen. Ob etwas darauf erfolgt ist, hört man nicht.

Dinklager Betriebe vor 50 Jahren

Man nehme eine Festschrift eines bedeutenden örtlichen Vereins und schaue sich die Anzeigen der dort inserierenden Firmen an und schon erhält man einen Überblick über das Wirtschaftsleben in der Gemeinde zu einem fixen Zeitpunkt.

So habe ich mir die Festschrift zum Musikerbundesfest vom 19.05.1968 in Dinklage vorgenommen und siehe da, es kamen über 50 inserierende Betriebe zusammen. Zumeist sind es Handwerksbetriebe, Einzelhändler und gastronomische Betriebe, die mit  einer Anzeige warben und so den Verein unterstützten.  Einzelne  größere Betriebe, die Ihren Absatzmarkt  nicht vor Ort hatten, fehlen allerdings. Natürlich ist eine solche Sammlung weder vollständig noch repräsentativ. Sie führt uns dennoch  auf eine Zeitreise in die 1960er Jahre.

Viele Betriebe sind aus unterschiedlichen Gründen längst verschwunden, andere haben sich weiterentwickelt.  Ein  anderer war zwischenzeitlich aus Dinklage verschwunden und kehrt nun mit anderer Ausrichtung nach Dinklage zurück. Die Geschichte jeden Betriebes hier zu beschreiben, würde den Rahmen des Beitrags sprengen. Kurzinformationen werde ich aber in den Bildbeschreibungen noch ergänzen.

Interessant ist auch die unterschiedliche Gestaltung der Anzeigen. Viele Firmen halten die Inserate eher knapp und verzichten sogar auf die Angabe der Straße. Schließlich war der Ort Ende der 1960er Jahre noch recht überschaubar und man kannte sich im Grunde.  Einige weisen auf besondere Leistungen hin.  Zentralheizung und „fließend Wasser“  auf den Fremdenzimmern war eben 1968 noch nicht selbstverständlich.  Die Firma Middendorf , die gleich mit 2 Anzeigen wirbt führt Besonders starke Argumente ins Feld . Mit ihrer  Kosten- Nutzenrechnung   „Für 5 Mark pro Kopf von Stuttgart nach Berlin…“  war sie der Zeit weit voraus.

Wer nun gleich bei der ersten Anzeige über den „Kiedenweg“ stolpert, dem sei gesagt, dass es sich hier um den Riedenweg handelt. Druckfehler waren eben zu keiner Zeit ausgeschlossen.

 

 

 

Ein Streit mit Folgen

Neben Burg Dinklage verfügte die gräfliche Familie von Galen über einen zweiten Hauptsitz. Ebenso wie Burg Dinklage ist das Haus Assen im vergangenen Jahrhundert  durch Schenkung an eine Organisation der katholischen Kirche übergegangen.

Beide Häuser gelangten durch Heinrich von Galen (1609-1694) unter Mithilfe seines Bruders, des  Fürstbischofs Christoph Bernhard, der als „Bommen Bernd“ in die Geschichte einging, in den Besitz der Familie. Ursprünglich war dieses Adelsgeschlecht in Gahlen an der Lippe ansässig: lebte. Der Vater der beiden Brüder, Dietrich von Galen (1568-1645) bewohnte  Haus Bisping bei Rinkerode im Westfälschen, Besaß aber auch wie schon seine Vorfahren Ländereien in Kurland.

Gerhard_IV._von_Morrien,_Molthane,_c._1605Im Davert, einem Waldstück zwischen der Morrienschen Besitzung Davensberg und dem Galenschen Haus Bisping im Münsterland kam es am 6. Februar 1607  zu einem Streit zwischen galenschen Jägern  und Söldner seines Nachbarn des Erbmarschalls Gerd von Morrien. Das Aufeinandertreffen, das vermutlich durch Morrien gezielt inszeniert worden war geriet zu einer heftigen Rauferei, in deren Verlauf einige der Männer Dietrichs verletzt worden waren. Auch hatten die Söldner Morriens  Ihnen einige Jagdhunde weggenommen. Mehrfach hatte Dietrich von Galen den Gerd von Morrien zur Herausgabe der Hunde und sogar zum Zweikampf aufgefordert, als es am 17. Juli 1607 auf dem Domplatz zu Münster zu der folgenschweren Begegnung der beiden Kontrahenten kam.

Dietrich, nach einem Gelage  zu Ehren des Namenstages seines Bruders, des Domherrn Heinrich von Galen schon reichlich alkoholisiert ging Gerd von Morrien mit wüsten Beschimpfungen an. Das nun folgende Degengefecht endete für Gerd von Morrien tödlich. Dietrich musste fliehen, wurde aber am folgenden Tag bei Drensteinfurt gefasst und auf der Burg Bevergern festgesetzt. Der nun von Adolpha von Ketteler, der Witwe des getöteten, angestrengte Prozess zog sich über 12 Jahre hin. Ein zwischenzeitlicher  Fluchtversuch Dietrichs von Burg Bevergern scheiterte.  So wuchs der ältester Sohn Christoph Bernhard bei seinem Onkel, dem Domherrn  Heinrich von Galen auf, und wurde von Jesuiten erzogen. Damit war seine spätere kirchliche Laufbahn bereits vorbestimmt.

Die Haftbedingungen  waren für Dietrich nicht besonders streng. So zeugte er mit seiner Frau Catharina von Hoerde neben seinem Sohn Heinrich noch 4 weitere Kinder im Verlauf seiner Gefangenschaft. Obwohl 1619  endlich freigesprochen und  aus der Haft entlassen, gab Adolpha von Ketteler keine Ruhe und erhob erneut Klage vor dem Reichskammergericht. Für Dietrich wurde nun der Boden im Münsterland zu heiß und er zog sich auf seine Güter in Kurland zurück, wo er mitten im 30-jährigen Krieg 1645 starb.

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Heinrich Reichsfreiherr  von Galen 1609- 1694 Drost von Vechta

Nach dem Tod des Vaters und dem Verkauf der kurländischen Güter hatte nun Heinrich von Galen, der bereits 1641 vom damaligen münsterschen Fürstbischof Ferdinand I. von Bayern mit der Aufgabe, für die Rekatholisierung zu sorgen, als Drost  nach Vechta entsandt worden war, die finanziellen Mittel um nach und nach, neben dem Haus Assen in Lippborg  auch die Dinklager Burgen, die dazugehörigen Ländereien zu erweben.

 

Dass die  damaligen Herren von Dinklage durch hohe Prozesskosten und Erbstreitigkeiten  in große finanzielle Schwierigkeiten geraten waren, spielte Ihm dabei in die Karten. Eine der Ursachen für deren Misere lag im ausschweifenden Leben der  Margarethe von Steding, der Ehefrau Johann von Dinklages.die sogar ihr Stiefschwiegervater öffentlich als Hure und Ehebrecherin beschimpfte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Impressionen von Haus Assen