Lohnunternehmer Lampe Wulfenau

Das Lohnunternehmen von Josef  Lampe in Wulfenau gehörte in den 1970 er Jahren wohl zu den größten Norddeutschlands. Später erweiterte Josef Lampe den Betrieb um das Speditionsgeschäft. Nach der Wiedervereinigung kamen dann auch noch Niederlassungen auf Rügen und in Penkun hinzu.  Bis zur Insolvenz der Firma war der Betrieb europaweit tätig.

Aus dem Unternehmen ging die Firma Lampe Spezialtransporte hervor, deren Geschäftsführer sein Sohn Hendrik Lampe ist.  Die Firma Lampe Spezialtransporte bedient heute mit ihrem modernen Fuhrpark besonders Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen. Auch ohne den Bereich der landwirtschaftlichen Lohnunternehmung ist die Firma bis heute in stetigem Wachstum.

Die Aufnahmen des Fuhrparks  der im Einsatz befindlichen Maschinen stammen alle aus den 1970 er Jahren und wurden mir freundlicherweise von Josef Lampe  mit der Genehmigung zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle herzlich. Fachkundige Kommentare zu den Maschinen sind hier ausdrücklich erwünscht.

Wer uns mit historischen Fotos und Dokumenten ebenfalls in unserer Arbeit unterstützen möchte ist hierzu herzlich eingeladen. Sofern gewünscht gebe ich die Unterlagen im Anschluss an die Auswertung an das Dinklager Stadtarchiv weiter.

Bildergalerie  des Lohnunternehmens Josef Lampe

aus den 1970 er Jahren

 

 

 

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Briefe aus dem Küsel

 

Einmal mehr hat mich ein Buch, dass mir zufällig in die Hände gefallen ist, vom Schreiben eines anderen Beitrags abgehalten:  Es handelt sich um die „Briefe aus dem Küsel“ Hochinteressant ist das Buch deshalb, weil hier eine große Anzahl privater Briefe der Elisabeth Gräfin von Galen geborene Reichsgräfin von Spee  abgedruckt sind.

 

Die Gräfin Elisabeth von Spee, Ehefrau von Graf Ferdinand von Galen ist die Mutter des Kardinals Clemens August Graf von Galen. Sie ist eine gebildete, herzensgute Frau aus adeligem Hause und eine eifrige Briefeschreiberin. All ihren Kindern schreibt Sie auch im Alter noch wöchentlich. Diese authentischen Briefe mit den Zusatzinformationen der Autorin geben einen hochinteressanten Einblick in die Lebenswelt der Familie von Galen.

Während Ihr Ehemann Ferdinand von Galen  meist als Reichstagsabgeordneter in Berlin, als Landtagsabgeordneter in Oldenburg oder in anderen Geschäften unterwegs ist. hält sie sich, abgesehen von etlichen Reisen zu ihrem geliebten Elternhaus nach Heltorf bei Düsseldorf, nach Münster, Assen oder auch zu Erholungsreisen an den Gardasee, überwiegend in Dinklage auf.

Burg Dinklage nennt sie den „Alten Küsel“ wohl  im Gegensatz zum komfortabler eingerichteten Haus Assen. oder dem Galenschen Hof in Münster.  Überhaupt scheint man sich im Hause von Galen gern seltsamer Spitznamen zu bedienen: „Strick und Clau“ für die Söhne Franz und Clemens August, „Abt“ oder „Äbtchen“ für Wilhelm,und „Ente“ für die Kinderfrau sind nur einige davon.

Die hauptsächliche Tätigkeit der Gräfin ist schnell dargestellt: Kinder gebären! Im Laufe von 25 Jahren bekommt sie 13 Kinder, davon allein 9 in den ersten 11 Jahren ihrer jungen Ehe (Bei ihrer Hochzeit ist sie 19 Jahre- Ihr Ehemann ist 11 Jahre älter.)  Sie beschäftigt sich auch gern mit Ihnen und später mit ihren Enkeln, die häufig für längere Zeit zu Besuch sind, doch  durch die Kinderfrau „Ente“, dem Burgvikar Pröbsting und weiteren Bediensteten werden Ihr viele Aufgaben abgenommen.

Zudem sind Ihre Söhne schon in jungen Jahren  zur Erziehung  bei Jesuiten im entfernten Feldkirch untergebracht und kommen nur im Sommer für 2 Monate nach Hause.  Überhaupt ist Die Religion und eine fast schon naive Gottgläubigkeit  die zentrale Antriebskraft in ihrem Leben.  Ein Beispiel hierzu ist der Brief,  den sie nach dem frühen Tod ihres Kindes Joseph (mit 2 1/2 Jahren) an ihren Halbbruder Matthias schreibt:

“ …Du wirst aus Heltorf gehört haben, durch welch schmerzliches Opfer der liebe Gott uns geprüft und begnadigt hat! Denn mehr noch als ein Schmerz ist es eine Gnade und ein Glück, ein liebes Kind am Throne Gottes zu haben. Man sollte nur Freudentränen vergießen, wenn man daran denkt, wie früh und so leicht das liebe Seppelchen zur ewigen Seligkeit gelangt ist. ….“

Bereits 6 Jahre vorher war Elisabeth von Galens erstes Kind, ihre Tochter Elisabeth verloren. Auch da hatte sie in Ihren Briefen ganz ähnliche Empfindungen gezeigt.  Diese Schicksalsergebenheit der  an sich lebensfrohen Frau, die in jungen Jahren gern an Tanzvergnügungen teilnahm, ist bemerkenswert und aus heutiger Sicht nicht unbedingt nachvollziehbar, passt aber zu dem katholischen Milieu in das sie eingeheiratet war.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass 2 Ihrer Töchter ins Kloster gehen, ein Sohn ebenfalls die Ordenslaufbahn einschlägt und ihr Sohn Clemens August schließlich sogar Kardinal und seliggesprochen wird.

Das Buch liefert noch reichlich Stoff, um noch weiter auf das religiös motivierte Selbstverständnis der Familie von Galen, ihre Rolle im Kulturkampf und die Folgen für unseren Ort einzugehen, würde hier aber den Rahmen sprengen.

Eines wurde mir bei der Lektüre des Buches allerdings klar: Auch wenn die Sprösslinge dieses Adelsgeschlechts keine materielle Not leiden mussten, kann ich froh sein, nicht diesem Hause zu entstammen, sondern einen Teil meiner Vorfahren in der Familie des Gärtners Joseph Schlinkert zu haben, der in den 1930 er Jahren die Gärtnerei auf Burg Dinklage gepachtet hatte. Eine Reihe seiner Nachkommen, wie auch ich selbst,  wurden Gärtner und mit Sicherheit deutlich liberaler erzogen.

Familie von Galen 1904 und Familie Schlinkert 1933 im Vergleich der Standesunterschiede

 

Das historische Kalenderblatt vom 7.1-12.1.

Bischofsbesuch

Am 8.1. 1980  (?)* besucht der evangelische Bischof von Oldenburg Dr. Hans Heinrich Harms die Gemeinde Dinklage. Am 30. August des Jahres 1981 kommt er erneut (?) nach Dinklage.

harms

Diese Aufnahme vom Besuch 1981 zeigt  Gemeindedirektor Brüning, Bürgermeister Peuker, Bischof Harms und Pfarrer Raddatz .

  • so die Angabe im Jahrbuch Oldenburger Münsterland. Möglich ist dass hier das Datum mit dem hier als 2. Besuch angegebenen Aufenthalt des Bischofs verwechselt wurde.

Einweihung Geschi

Mächtig stolz ist ist der Gemeinderat am 8. 1.1992. An diesem Tag wird die Firma Geschi offiziell eingeweiht. (?)* Der Betrieb läuft bereits seit November des Vorjahres und einen Tag der offenen Tür hat es am 21. Dezember auch schon gegeben. Zu diesem Tag kam auch der Weihnachtsmann, wie im Vorbericht zu der Veranstaltung zu lesen war. Der Coup den bekannten Unternehmer Horst Schiesser  zur Ansiedlung einer Backwarenfabrik mit anfangs 70  Arbeitsplätzen nach Dinklage gelockt zu haben erwies sich jedoch schnell als Glaube an den vorgenannten Weihnachtsmann. Sonst hätte die Gemeinde wohl kaum eine Ausfallbürgschaft für die Firma in Dinklage übernommen.  So kam was kommen musste: Bereits 1997 war Schluss mit Geschi- Brot in Dinklage. Die Firma meldete Insolvenz an. Der Spiegel titelte damals „Monopoly mit echtem Geld“. Doch die Dinklager waren nicht die einzigen, die auf den windigen Unternehmer hereingefallen waren. Schiesser hatte 1986 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt,  als er den Wohnungsbaukonzern „Neue Heimat“ für 1 Mark kaufte und schnell klar wurde, dass er sich mächtig übernommen hatte.  Die Gemeinde Dinklage hat mit ihrer Ausfallbürgschaft bei der Insolvenz finanziell mächtig Federn lassen müssen. Immerhin fand sich mit Stöhr Brot ein Käufer für die moderne Fabrik, der hier bis heute produziert,

  • möglicherweise bin ich hier einer fehlerhaften Quelle (Jahrbuch Oldenburger Münsterland) aufgesessen. Wahrscheinlicher ist, dass die Einweihung bereits am 21. Dezember mit dem Tag der offenen Tür stattfand. Ein entsprechender OV- Artikel, der mir leider nur undatiert vorliegt spricht für diese Annahme.

Bildergalerie Geschi 1986

 

Brand auf Burg Dinklage

Am 12.1. 1963 beunruhigt eine Meldung, die sich rasch verbreitet ganz Dinklage: „Die Burg brennt“.  Betroffen ist der linke Flügel der Burganlage. Um 12.35 heult die Sirene. Trotz glatter Straßen ist die Feuerwehr vom damaligen Spritzenhaus an der Burgstraße gewohnt schnell vor Ort. Zur wasserversorgung wird das dicke Eis des Burggrabens durchschlagen und mit Hilfe der Nachbarfeuerwehren aus Lohne, Vechta und Steinfeld gelingt es, das Feuer in kurzer Zeit unter Kontrolle zu bringen und den Schaden in Grenzen zu halten, wie sich der spätere Gemeindebrandmeister Reinhold Albermann erinnerte. 1963 ist es sein Vorgänger im Amt Bernard Gilbers, dem es mit seinen Männern gelingt, die Burg vor der Zerstörung zu bewahren.

 

 

 

 Dechant Renschen

Ein neuer Pfarrer am 12.1.1915  als Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Reinhold Moorkamp  in das Amt  eingeführt. Es ist der spätere Dechant Renschen. Er sorgt in den kommenden jahren für eine Erweiterung und Verbesserung der Kirchenausstattung. Der frühere Mitschüler des Kardinals Clemens August Graf von Galen am Antonianum Vechta kann den damaligen Bischof von Münster denn auch mehrmals in dessen Heimatgemeinde begrüßen: Zuerst 1934 und auch 1936 anlässlich seiner Firmungsreise.

Dechant Renschen gilt als einer der maßgeblichen Personen im Kreuzkampf gegen die nationalsozialistische Regierung. Im Jahr 1936 lässt er als sichtbares Zeichen des Protests jeden Abend das Kreuz auf dem Kirchturm anstrahlen. Als Dechant Renschen 1937 stirbt, ist auch der Bischof von Münster, Clemens August von Galen unter den Trauergästen.

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Hamsterfahrten

In der Nachkriegszeit herrschte auf der Bahnlinie vom Ruhrgebiet in Richtung Südoldenburg reger Betrieb. Unsere Region war bekannt dafür, dass man hier seinen kargen Speisezettel durch den nicht ganz legalen Erwerb  von  Schinken und dergleichen etwas aufbessern konnte.

Bahnhof Remagen, Hamsterfahrten

Hamsterfahrten Remagen 1947, Quelle Wikipedia

Auch meine Großmutter nahm nach dem 2. Weltkrieg einmal die beschwerliche Reise ins Oldenburgische auf sich.  Von Hattingen im Ruhrgebiet kommend fuhr sie in überfüllten Zügen ins Oldenburgische. Sie die Witwe eines Bergmanns lebte seinerzeit mit ihren 3 kleinen Kindern bei ihrer Schwägerin unter schwierigen Verhältnissen. In der Nähe von  Aachen, wo sie vorher wohnten waren sie „ausgebombt“ worden. Zeitlebens war diese Hamsterfahrt für sie ein traumatisches  Erlebnis. Da sie  mittellos war und keine geeigneten Tauschobjekte besaß, war diese einmalige Reise für sie in höchstem Maße erniedrigend.  Auch im Alter erzählte sie daher nur wenig aus dieser schlimmen Zeit. Nur der Eindruck, dass die südoldenburger Bauern ihre Schweineställe mit Teppichen hätten auslegen können, blieb haften und wurde in der Familie weitergegeben.

So kann ich eine gewisse Schadenfreude über die Zeitungsberichte nicht verhehlen, auf die ich kürzlich gestoßen bin.

Es war gegen Ende des 1. Weltkrieges, als sich „ein zweibeiniger Hamster weiblichen Geschlechts“ mit der Bahn auf den Weg nach Dinklage aufmachte, um hier die begehrten Fleischwaren zu erstehen  Beim Kleinbauern (Kötter) Kamphaus in Bünne kam die Frau ins Geschäft. Ein paar Eier und einen 15 kg schweren Schinken konnte sie dort erwerben. Dafür musste sie den stolzen Preis von 300 Mark berappen.  Sie kam der illegale Kauf aber noch teurer zu stehen.

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Norddeutsches Volksblatt vom 7.5.1918

Zurück am Bahnhof wurden der teure Schinken und die Eier sogleich vom hiesigen Ordnungshüter beschlagnahmt.  Für den Kötter Kamphaus aber kam es knüppeldick. Bei Ihm wurde sogleich eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Diese förderte mindestens 3 Tonnen versteckten  Roggen und einen weiteren versteckten Schinken ans Tageslicht. Die Beschlagnahmung erfolgte auch hier.  Was folgte war zudem eine empfindliche Geldstrafe von 2500 Mark.

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Nachrichren für Stadt und Land, 8.11.2018

Ob der kleine Bauer seinen Verlust durch weitere Geschäfte dieser Art wieder  ausgleichen konnte, ist nicht bekannt. Ein gewisses Verständnis für den hohen Preis des Schinkens muss man ihm wohl angesichts des hohen „Geschäftsrisikos“ auch entgegenbringen.

Was bleibt ist die Frage, wo die 1250 Pfund Differenz aus gefundenem und bei der Verurteilung festgestelltem Roggen geblieben sind. Waren es Messungenauigkeiten, oder ist der Rest als „Provision“ in den Taschen der Gendarmerie  gelandet ?

 

 

Der Kaplan greift ein

Sozialistische Umtriebe wurden von der katholischen Geistlichkeit nicht gerne gesehen. Im Verein mit dem ortsansässigen Adelsgeschlecht derer von Galen  unternahm sie so einiges um ihre Schäfchen auf dem rechten Weg zu halten. Beispiele aus dem Kulturkampf des 19. Jahrhunderts lassen sich dafür einige finden. Dazu ist es allerdings nötig, auf zeitgenössische Presseartikel jenseits Südoldenburgs zurückzugreifen. Denn auch die Geschichtsschreiber jüngerer Zeit haben so Manches gern unter den Tisch fallen lassen, handelte es sich bei Ihnen doch oft um Geistliche oder zumindest um „gute Katholiken“.

Ein schönes Beispiel für die Einmischung der KIrche ist ein Vorfall, über den die sozialdemokratische Zeitung “ Die Republik“ am 24.1.1919 berichtet.

Einem Angestellten des Krankenhauses der Leser dieser Zeitung war, gab diese stets nach Gebrauch an die Patienten weiter. Daraufhin bedeutete ihm der damalige Dinklager Kaplan, dass er dies nicht gerne sehe. Immerhin rügte er den Angestellten wohl nicht so scharf, wie es in früheren Zeiten üblich gewesen wäre. Dass er ihm nicht untersagte selbst die Zeitung zu lesen hat sogar schon fast liberale Züge.

Dieser und andere Zeitungsberichte zeigen uns heute aber deutlich, wie weit das katholische Südoldenburg und das lutherische Nordoldenburg auseinander lagen.

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Bei dem erwähnten Kaplan handelte es sich um Gerhard Westerhoff, * 20.12.1877 in Kneheim. Westerhoff war seit 1907 Vikar in Dinklage und danach von 1909- 1923 Kaplan in Dinklage, bevor er 1923 eine Stelle als Pfarrer in Bunnen antrat. An dieser Stelle ist dem Pfarrer Clemens Heitmann zu danken, der die kirchliche Geschichte Dinklages in vielen Publikationen dokumentiert hat.

Die unten folgenden Abbildungen zeigen zeitgenössische Fotografien des Krankenhauses und der alten Kaplanei am Kösters Gang.

 

Das historische Kalenderblatt auf den 1.-6. Januar

In loser Reihenfolge bieten wir im neuen Jahr einen Rückblick auf  die unterschiedlichsten Ereignisse rund um Dinklage. Über die Links im Text gelangt ihr zu weiteren Seiten oder Beiträgen zum jeweiligen Thema.

1981

Am 2. Januar des Jahres markiert der Neujahrsempfang im Kolpinghaus  den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde. Diese finden in der Festwoche mit einer Gewerbebeschau und einem großen Festumzug Ihren Höhepunkt.

1978

Am Neujahrsmorgen des Jahres 1978 gerät gegen 8:30 Uhr das Wirtschaftsgebäude der Burg Dinklage, die sogenannte Ökonomie in Brand. Die Feuerwehr Dinklage  kann trotz  Unterstützung der Lohner Wehr und der Drehleiter aus Vechta das Gebäude nicht retten. Lediglich das Vieh, einige Gerätschaften  und das Mobiliar der Wohnung kann in Sicherheit gebracht werden. Mit dem Gebäude verbrennen 3000 Ballen Heu und 3000 Ballen Stroh. Menschen kommen nicht zu Schaden.

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1.1.1978 Die Ökonomie brennt

1827

Mit Beginn des neuen Jahres endet die „Herrlichkeit Dinklage“ Graf Matthias von Galen verliert durch den Vertrag mit der der Regierung des Großherzogtums Oldenburg den größten Teil der Sonderrechte, die die Familie von Galen seit 1677 genoss. Er erhält dafür eine Abfindung von 15000 Reichstalern. Weiterhin darf er Lehrpersonen ernennen und behält das Patronatsrecht über die Kirche, sowie Das Markenrichteramt.  Dinklage wird nun zum Sitz des Amtes Steinfeld. Das Amtshaus stand damals am Weg von der Hörst zur Burg (etwa in Höhe der heutigen Einfahrt zum Sondergarten)

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Matthias Graf von Galen (1800-1880) mit seiner Ehefrau Anna Gräfin von Galen, geb. Freiin von Ketteler (1803-1884)

1663

Der Fürstbischof von Münster Christoph Bernhard von Galen richtet  am 2.1.1663 ein neues Amt in seinem Fürstbistums ein: Das Amt des Erbkämmerers. Indem er es mit seinem Neffen Franz Wilhelm von Galen besetzt, und festlegt, dass das Amt immer mit einem Mitglied der Familie von Galen, bevorzugt aus der Dinklager Linie , zu besetzen ist, sichert er seiner Familie über Jahrhunderte einen gut dotierten Posten mit Einfluss im Fürstbistum.

Die Gründung des Bauvereins

Die Wohnungsnot der Arbeiter und der Wille zu weiterer Expansion bei der Firma Holthaus waren ausschlaggebend für die Gründung des Bauvereins. Die Oldenburgische Volkszeitung berichtet über die Gründungsversammlung wie folgt:

477239_196642787111848_379648959_o„Dinklage, 13. Febr. Am 13 d. Mts. wurde von einer zahlreich besuchten Versammlung, deren Vorsitz der Direktor der Firma B. Holthaus, Maschinenfabrik Akt.-Ges. Herr Hans Niggemann führte, ein „Spar- und Bauverein e.G.m.b.H. für die Gemeinde Dinklage gegründet. Zweck und Ziel dieses Bauvereins ist, seinen unbemittelten Mitgliedern gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten Häusern zu billigem Preise zu verschaffen, sowie Spareinlagen seiner Mitglieder anzunehmen und zu verwalten. In die angelegte Genossenschaftsliste zeichneten sich 42 Mitglieder mit 55 Anteilen ein . In den Vorstand wurden von der Versammlung als Geschäftsführer Rechnungsführer Frz. Dieckmann, als Kassierer und Schriftführer der Korrespondent Franz Ewers berufen. Als deren Stellvertreter wurden gewählt die Herren Heinrich Kröger und August Hengemühle. Zu Aufsichtsratsmitgliedern wurden ernannt die Herren Landwirt Franz Böckmann in Bünne, Apotheker Constantin Driver, Gemeindevorsteher Ostendorf, Direktor Hans Niggemann, Hermann Kröger, August Kamphaus, Heinr. Blömer und Wilh. Grotegers, sämtlich von Dinklage. Von dem Vorsitzenden wurde noch erwähnt, dass die Firma B. Holthaus Maschinenfabrik Akt.-Ges. 20000 Mark zum Erwerb von Grundstücken auf eine langjährig unkündbare Hypothek herzugeben bereit sei, was die Versammlung mit allseitigem Beifall dankend quittierte. Die Satzungen des Vereins werden vom Vorstand und Aufsichtsrat durchberaten und sollen auf einer demnächstigen Versammlung zwecks Anerkennung vorgelegt werden.Die Gründung dieses Bauvereins war für Dinklage eine dringende soziale Notwendigkeit, da hier eine wirkliche Wohnungsnot herrscht. Wir möchten deshalb an dieser Stelle an alle Familienvorstände die Bitte richten durch Beitritt als Genosse die Bestrebungen des Vereins, der minderbemittelten Bevölkerung von Dinklage ein zweckdienliches und gesundes Eigenheim zu verschaffen, zu unterstützen.“

 Einige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder

Diese private Wohnungsbauinitiative war in ihrer Art in der Region einzigartig und kann als eine Art früher Sozialer Wohnungsbau bezeichnet werden. Bemerkenswert ist auch, dass neben der Firma Holthaus einige angesehene Bürger Dinklages den Verein unterstützten.

Die Vorgeschichte des Dinklager Bauvereins

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts war Dinklage ein kleiner, landwirtschaftlich geprägter Ort mit knapp 4000 Einwohnern. Die Bevölkerung war mit Ausnahme der Bauernschaft Wulfenau fast ausschließlich katholisch.

Politisch hatte Dinklage an Bedeutung verloren. Die „Herrlichkeit Dinklage“ mit ihren Sonderrechten gab es längst nicht mehr. Auch das Amt Steinfeld mit Sitz in Dinklage war aufgelöst und in das Amt Vechta eingegliedert worden. Größten Einfluss auf die Entwicklung des Ortes hatten aber nach wie vor der Graf von Galen als größter Grundbesitzer und die katholische Kirche.

Doch die Zeiten änderten sich. Hatte die Bevölkerungszahl bis Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund fehlender Erwerbsmöglichkeiten und der daraus resultierenden Auswanderungswelle noch abgenommen, so stieg sie jetzt. In der Landwirtschaft konnten Dank der Entwicklung von mineralischen Düngern die schlechten Bodenverhältnisse ausgeglichen und die Erträge gesteigert werden. Außerdem trieben Dinklager Bauern die Schweinezucht voran und waren so maßgeblich am Entstehen der Veredlungswirtschaft in Südoldenburg beteiligt.

Auch die Infrastruktur hatte sich bereits Mitte des 19.Jahrhunderts verbessert. Mit dem Bau der Straße nach Lohne erhielt die Gemeinde den Anschluss an die größeren Städte. Als zweite Gemeinde im Landkreis besaß Dinklage seit 1852 ein Krankenhaus. Nach und nach wurden auch in den Bauerschaften Schulen eingerichtet. Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges hatte endlich jede Bauerschaft eine eigene Schule, so dass auch die ärmeren Schichten Zugang zu einem Mindestmaß an Bildung erhielten. Seit 1863 gab es zudem eine höhere Bürgerschule und ab 1894, als erste ihrer Art in Südoldenburg, die landwirtschaftliche Winterschule.

 

Dennoch wäre Dinklage wohl weiter die kleine Landgemeinde geblieben, wenn sich nicht 2 Betriebe, die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet worden waren, so rasch entwickelt hätten.

Die Weberei van der Wal, konnte ihren Bedarf an Arbeitskräften noch aus der einheimischen Bevölkerung decken. Der Betrieb von Bernhard Holthaus jedoch entwickelte sich so rasant, dass er auf das Anwerben auswärtiger Handwerker angewiesen war.

Abseits des Ortes betrieb Holthaus eine Windmühle und baute landwirtschaftliche Maschinen nach. Er hatte die Zeichen erkannt und baute die Geräte, die er auf landwirtschaftlichen Ausstellungen genau unter die Lupe genommen hatte, nach. Da es bis 1872 noch kein Patentrecht gab, war dieses auch ohne weiteres möglich. Aber er baute die Maschinen nicht nur nach, sondern verbesserte sie auch. Den größten Erfolg hatte er mit einer Dreschmaschine, die er mit einer selbst entwickelten Reinigungsanlage kombinierte. Für seine Geräte erhielt er viele Auszeichnungen und Preise. Als Bernhard Holthaus senior 1885 starb, hatte er den Grundstock für ein Unternehmen gelegt, dass unter seinem Sohn Bernhard zur führenden Landmaschinenfabrik im Herzogtum Oldenburg wurde.

Auch Rückschläge wie Wirbelstürme und Brände, die mehrfach gerade eben erst errichtete Werkstätten wieder zerstörten konnten das Wachstum de Firma nicht aufhalten. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten hier schon über 200 Männer. Das Geschäft blühte und Bernhard Holthaus entschloss sich trotz einer ausgezeichneten Bilanz, die Firma 1903 in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Um alle Aufträge zügig abwickeln zu können, waren noch mehr Investitionen nötig. Die Ausgabe von Aktien sorgte für das nötigte Kapital dazu.

Durch den Boom bei Holthaus sah sich die Gemeinde veranlasst, bei der oldenburgischen Landesregierung auf den Anschluss Dinklages an das Eisenbahnnetz zu drängen. Dieses gelang auch, weil die Holthaus AG sich verpflichtet hatte, eventuelle Defizite des Betriebs in den ersten Jahren auszugleichen.

Bereits 1904 nahm die Bahn ihren Betrieb auf. Holthaus bekam ein eigenes Anschlussgleis und sparte sich nun etliche Fuhren mit Gespannen zum Bahnhof nach Lohne. Am Bahnhof siedelten sich die Landhandelsunternehmen Bröring und Wehebrink an. Eine Viehwaage mit Verladestation wurde errichtet und 1907 war auch das Bahnhofsgebäude fertiggestellt.

Im Sog dieser für eine ländliche Gemeinde beachtlichen industriellen Entwicklung blühten auch Handel und Handwerk auf. Dinklage hatte Anschluss an die „modernen Zeiten“ gefunden.

Die Holthaus AG hatte bereits einige Häuser als Mietwohnungen für Ihre Arbeiter an der Holthausstraße errichten lassen, doch damit war der Bedarf an Wohnraum langfristig nicht zu decken. Nach und nach entstand hier das, was die Dinklager „Kolonie“ nannten: Eine Siedlung abseits des Dorfkerns, in der Fabrikarbeiter unter schlechten Bedingungen lebten. Derartige Arbeitersiedlungen waren sonst nur aus Industriezentren wie dem Ruhrgebiet bekannt. Für den Oldenburger Raum jedoch war die Straße außergewöhnlich. Ein letztes dieser Häuser (Ripke) ist noch heute fast in seiner ursprünglichen Form erhalten – wie lange noch?


Das Misstrauen gegen die Fremden wuchs, und das Zusammenleben verlief nicht immer ohne Konflikte. Im Laufe der Zeit begannen die Arbeiter sich zu organisieren, einerseits in Vereinen wie dem TVD (Gründung 1904) und dem KAB (Gründung 1911), andererseits auch politisch. Holthausarbeiter waren es, die Gewerkschaftsversammlungen organisierten und an der Gründung eines SPD- Ortsvereins (1917) beteiligt waren.

Mitten in diese Zeit fiel der Ausbruch des 1. Weltkrieges, der durch den Einsatz der modernen Waffen zum Albtraum geriet. Die Firma Holthaus, deren Produktion durch die Mobilmachung zunächst fast völlig zum Erliegen gekommen war, hielt sich mit der Produktion von Graugussgeschossen über Wasser und trug so, wenn auch ungewollt zum Tod vieler Soldaten bei.

Um den Ausfall der eingezogenen Arbeiter auszugleichen, stellte Holthaus zusätzliche Hilfsarbeiter ein. Am Ende des Krieges hatte Dinklage 189 gefallene Soldaten zu beklagen. Der Ort selbst jedoch blieb unzerstört, da er nicht zum Kriegsschauplatz geworden war.

Nach dem Zusammenbruch und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. nahm auch in Dinklage zunächst ein Arbeiter- und Soldatenrat das Heft in die Hand. Es waren vornehmlich Arbeiter der Holthaus AG, die die öffentliche Ordnung und die Verteilung von Lebensmitteln zu organisieren suchten.

Auch ein Streik bei Holthaus, der nach Annahme der meisten Forderungen bereits nach 8 Tagen beendet war, gehört zu den bemerkenswerten Ereignissen jener Zeit. Zwischenzeitlich war durch den Ausfall der elektrischen Zentrale sogar die Stromversorgung des Ortes unterbrochen.

Allmählich beruhigte sich die Lage und ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte ein. Bis 1925 stieg die Zahl der Arbeiter bei der Holthaus AG auf ca. 480 Personen.

Mit der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft siedelte sich 1920 ein weiteres Landhandelsunternehmen am Bahnhof an. Im gleichen Jahr hatte die Möbeltischlerei Diekmann ihren Betrieb an der Sanderstraße aufgenommen.

Noch bevor am 6.4. 1919 der erste Dinklager Gemeinderat gewählt wurde, zu dessen Wahl auch die Arbeiter der Maschinenfabrik Holthaus mit einer eigenen Liste antraten, gründete sich am 13. 2. 1919 der Spar- und Bauverein e.G.m.b.H für die Gemeinde Dinklage.

Dieses Datum dürfen wir als Ursprung der heutigen Friedenstraße annehmen.

Dinklage im 20. Jahrhundert

Am Ende eines Jahres stehen Jahresrückblicke an. Auch wir erinnern an vergangene Ereignisse. Allerdings habe ich gemäß unseres Themas „Alt-Dinklage“ Ereignisse aus der Zeit von 1900 bis 1999 ausgewählt. Es sind nicht immer die wichtigsten, aber vielfach längst vergessene Ereignisse.

Gleichzeitig soll dieser Streifzug durch das 20. Jahrhundert Appetit auf die Beiträge des kommenden Jahres machen. Über manche der hier nur  angeschnittenen Themen werde ich sicher im nächsten Jahr ausführlicher berichten.

Wir wünschen viel Spaß beim Betrachten der Bilder und wünschen einen guten Rutsch ins neue Jahr

 

Die Bewohner der Friedenstraße

Bildergalerie aus 100 Jahren Friedenstraße